Samstag, 5. Juli 2014

Fluchende Engel

Nichts sagen, niemand sagen, Wolken schlagen,
Verliert das Licht im Dauerregen
Und schwarzer Vogelsang verlässt nicht,
Hässlich, verzerrt und in Ketten gezwungen.
Leid bricht Rippen, Knochen, sprengt
Das übervolle Herz und lässt kein Morgen,
Wo Zuglicht schon den Tunnel öffnet.
Kann nicht wagen, fragen, nur verzagen,
Was nicht ist, wird auch nicht werden.
Silbern funkelnd erzeugt der Mond die Symphonie.

Kann's nicht tragen, Last erdrückt die schmächtig Brust.
Doch welcher Mensch kann schon noch Fliegen?

Die Arme fassen leer, zerren vor sich her,
Doch nur Luft und ewig während Klang der Stille.
Sehnsucht nach Wärme, die Sucht nach
Sicherheit, Geborgenheit und einem Hauch von Glück.
Eiszapfen vergehen, Rosen verblühen und
Dornen hinterlassen Wunden, Narben tief,
Wenn der Wunsch zu groß, der Druck zu stark.
Zwitschernd, spiegelnd, das Uhrwerk verläuft,
Der Sand läuft rückwärts hoch ins Glas.

Kann's nicht tragen, Last erdrückt die schmächtig Brust.
Doch welcher Mensch kann schon noch Fliegen?

Die Finger verschränkt, gekreuzt, die Kerze erlischt,
Der Griff in Schock und Vergänglichkeit bricht,
Zermalmt, knickt Grashalm, zärtliches Vergehen.
Das Verlangen, das Bangen, die Konsequenz
Aus Kontrast, Herz verpasst Hirn und Verstand kämpft,
Bis zum letzten Atemzug um Kontrolle und Macht.
Das Schicksal wirft, würfelt um Schattenranken,
Nebelwanken, schwarze Klauen und Verderben.
Ein Fluch, ein Segen, nur der Regen,
Die Sterne verglimmen und ohne Licht
Ist der Himmel so unendlich rastlos, trostlos, verloren.

Kann's nicht tragen, Last erdrückt die schmächtig Brust.
Doch welcher Mensch kann schon noch Fliegen?
Wir sind Engel ohne Ruhe, ohne Schein und ohne Lust,
Der Flügel beraubt und verschnitten, taub und blind,
Gezwungen unser Leben zurück zu gewinnen.

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