Unfähig zu lieben.
Ich hab es nie gelernt.
Von wem auch?
Wer soll es mir beibringen, wenn sie es selbst nicht können?
Wer soll es mir beibringen, wenn das hieße, dass sie Liebe mir gegenüber zeigen müssten?
Dinge der Unmöglichkeit.
Sie können so alltäglich sein, dass keiner sie in Erwägung ziehen würde.
Kann man lieben überhaupt lernen?
Kann ich lieben?
Bin ich so herzlos?
So gefühlskalt?
Einsicht trifft zu, wie der Glockenschlag.
Gefühlskalt.
Herzlos.
Gefühle im Aus, Herz außer Betrieb.
Ein innerer Tod alles weitere.
Meine Seele ist ein Friedhof.
Du stehst dort.
Dichter Nebel liebkost dich, umwabert dich, dicht und undurchdringlich.
Dunkelheit zieht dich in ihren Bann, lockt dich tiefer in düstere Gefilde ohne Entkommen.
Kälte lässt dich erzittern, ertränkt dich und lässt dich kein Gefühl von Glück mehr spüren.
Mein Friedhof lässt dich sterben.
Warum bist du nicht umgekehrt, Fremder?
Warum hast du die Warnung an den Toren missachtet?
Bist barfuß weiter über Scherben gestolpert und hast dir die Füße zerschnitten, deine Blutspur hinterlassen?
Was hast du gehofft vorzufinden?
Leben?
Wärme?
Glück?
Liebe?
Stumpfe Blicke.
Kalt, leer.
Tief und hoffnunglos.
Verzweifelnd.
Zeigten sie dir nicht schon dein Ziel?
Du bist einfach weitergelaufen, naiv in dein Unglück.
Du gerietest in meinen Bann, machst dich mir selbst zum Opfer.
Alles saug ich dir ab, bis dir zum Schluss nichts mehr bleibt.
Tod. Verderben. Einsamkeit. Hoffnungslosigkeit. Kälte.
Du warst nicht darauf vorbereitet, sie ertränken dich.
Nun musst du mit mir untergehen, dein Schicksal ist besiegelt.
Du berührtest mich , sahst mein Inneres.
Und dort bist du nun Gefangener.
Du sitzt in meinem Gefängnis.
Ich brauche weder Gitter, noch Zelle.
Ich brauche keine Mauer keine Mauer, kein Wasser und keine Wärter um dich dort zu behalten.
Du bist Gefangener meines Herzens, des schlimmsten Gefängnisses, dass es für einen Menschen gibt.
Du fügst dich ein.
Ein weiteres Grab wird ausgehoben.
Der Friedhof größer.
Nun liegst auch du dort begraben.
Und mit dir, erneut ein Teil von mir selbst.
Meine Hoffnung kleiden dich, auch wenn sie unter der Erde niemand mehr sehen kann.
Meine Träume betten dich, denn sie zerplatzten wie Seifenblasen und fielen in sich zusammen.
Nur die Rose in deiner Hand, die bleibt erhalten.
Denn meine Liebe flammt auch unter der Erde weiter für dich und begleitet dich, wo auch immer du dann wandelst, als dass einzige. was dich nie verlassen wird.
Und wieder bleibe ich zurück, erneut beraubt um einen Teil meiner selbst.
Wieder ein Stück ärmer, wieder ein Stück verzweifelnder, wieder ein Stück weniger.
So leerte sich mein Inneres nach und nach, bis nur noch die Äußere Hülle blieb.
Leer und tot fristet sie vor sich hin und kennt weder Aus - noch Umweg
Verloren in dem ewigen Durcheinander aus Gräbern, Erde, Knochen und Fäulnis.
Verirrt in ewiger Düsternis, Kälte und Verzweiflung.
Jedes Licht, das auf dem Friedhof entbrennt, erlischt in meinem Inneren.
Bis nur noch die Dunkelheit mir Gesellschaft leistet und ich blind umhertappe, ohne die Wände zu sehen, auf die ich zulaufe.
Gefangene im Labyrinth.
Der Ausweg verbaut.
Verbaut mit Gräbern.
Bis ich irgendwann selbst in einem liege.
Endlich am Ziel meiner Reise, den Weg hinter mich gebracht, die Suche vollendet.
Und wenn dann das letzte Licht auf dem Friedhof hell strahlt, kehre ich mich von allem ab und gehe erneut auf das Dunkel zu.
Doch diesmal keine Wand, die mich abhält.
Ich setze meinen Weg fort, bis zum letzten Atmezug, dessen Verhallen, das Ende, das Ziel, die Erlösung verspricht und mich nie wieder den Friedhof betreten lässt.
Und auch niemand anderen.
Der Friedhof ist voll, die Tore geschlossen.
Kein Platz mehr.
Und so gerät er in Vergessenheit.
Genau wie ich.
Verwest, verkommen, verkümmert.
Niemand kümmert sich darum, bis sie darüber stolpern.
Doch dann ist es zu spät.
Unrettbar beschädigt.
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