Er nahm sein Gesicht zwischen seine Hände und Blut rann seine Wange hinab.
Erschrocken starrte er seine blutenden, aufgesprungenen Finger an, die vor Schmerz brannten, dort wo sie das Gesicht des Jungen berührt hatten und er begriff.
Er zog sich von dem Jungen zurück.
Er hatte zu schreckliches getan, um weiter die reine unschuldige Seele des Jungen damit zu beflecken und beschmutzen zu dürfen.
Er musste ihn fortschicken.
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Kältewellen drückten den kleinen Körper förmlich zusammen. Er schlang die dünnen Ärmchen um den Körper und zog die Knie bis unters Kinn. Doch auch das konnte die Kälte nicht stoppen, konnte ihn nicht wärmen.
Die Kälte kam von Innen und fraß ihn auf, Er konnte nichts weiter tun, als dazusitzen und abzuwarten, wie sie ihn überwältigte und er reglos und schlaff zu Boden sank.
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Wie ein gefallener Engel schwebte er dort, knapp über dem Boden, flügellos und badete in dem schwarzen Licht und strahlte das aus, vor dem sie alle Angst hatten.
Dann sank der kleine, schwache Körper hilflos zu Boden und kein Zucken ging mehr durch seinen erschlafften Körper und seiner letzter Atemzug verhallte.
Sie selbst hielten de Atem an, verzweifelt und hoffnungslos, unwissend was sie tun konnten es aufzuhalten und darauf wartend, wen es von ihnen als nächstes zu sich nahm.
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Ihre Finger gruben sich in seine Arme.
Leer starrte er vor sich hin, blind, sie gar nicht wahrnehmend, als sie ihn anschrie, ihn anflehte und bettelte, er solle bei ihr bleiben, sie nicht verlassen.
Doch da spürte sie schon, wie sein letzter Atemzug anbrach und ihr Herz setzte aus.
Mit seinem Atem, wich auch das letzte Fünkchen Leben aus seinem Körper und seine Seele verließ ihn, ließ sie zurück mit dem toten, schlaffen Körper, dem Schock, der Trauer und den Tränen in ihren Augen.
Es wurde schwarz um sie.
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Schreiend und fluchend kämpften sie sich nach vorne, nur um zu sehen, was sie längst wussten. Trotzdem traf die Erkenntnis sie wie ein Schlag. Die letzte Hoffnung wich aus ihnen, als sie sahen, dass sie zu spät waren und alles schon lange verloren war.
Müde brach einer nach dem anderen von ihnen zusammen. Und jedem war bewusst, dass keiner von ihnen je wieder aufwachen würde.
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An ihr Bein gedrückt spürte sie den stechend heißen Schmerz, den es auslöste.
Sie trug den Beweis immer bei sich, in ihrer Tasche, und er quälte sie.
Den Beweis für seinen Tod, den Beweis für seinen Tod durch sie und diese Erkenntnis erdrückte sie.
Sie sank zu Boden und wusste genau, dass sie für diese tat dasselbe Schicksal ereilen musste. Auch wenn sie es erneut selbst tun musste.
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Blut rann an ihren Händen herunter. Es lief ihre Arme entlang und die Stellen, die es berührte, fühlten sich an als ständen sie in Flammen.
Sie konnte nicht atmen.
Sie ekelte sich selbst an, fürchtete sich vor sich selbst.
Was hatte sie getan?
Wie hatte sie so etwas tun können?
Entsetzt und geschockt schaute sie auf den leblosen Körper der zu ihren Füßen lag.
Sie hätte sich beherrschen müssen.
Panik steigt in ihr hoch und sie schrie.
Doch plötzlich wurde sie ruhig.
Das sie so von ihren Gefühlen beherrscht worden war, dürfte nie wieder vorkommen und das würde sie auch zu verhindern wissen.
Lächelnd nahm sie erneut das Messer in die Hand, an dem das frische, warme Blut noch hinablief und befreite sich von ihrer Last.
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